Verbindung von Arbeiten und Lernen

Im Grußwort anlässlich des 2. Zukunftsforums „Innovationsfähigkeit“ im Jahr 2009 schreibt die Bundesministerin für Bildung und Forschung Dr. Annette Schavan: „Insbesondere qualifizierte Fachkräfte sind ein entscheidender Erfolgsfaktor im Innovationswettbewerb. Nur wo die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Kompetenzentwicklung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stimmen, können neue Ideen, Produkte und Systemlösungen gut umgesetzt und Marktchancen genutzt werden. Deshalb müssen Arbeiten, Lernen und Kompetenz­entwicklung noch besser miteinander verknüpft werden.

Um Wachstum zu sichern, Arbeits­plätze zu erhalten und neue zu schaffen, müssen Arbeiten und Lernen als ein Prozess verstanden werden. Die Menschen müssen ihr Können, ihre Kreativität und ihre Motivation in die Arbeit einbringen und gleichzeitig ihre Kompetenzen entfalten und weiterentwickeln können.“

Die enge Verbindung von Arbeiten und Lernen wird ein Schlüssel zur Erreichung der wachsenden Ansprüche sein. Arbeit fungiert dabei sowohl als Lerngegenstand als auch als Lernort. Sie ist Auslöser und Impulsgeber von Lernaktivitäten. Der Arbeitsprozess fordert permanent Anpassungsleistungen, die ohne Lernen nicht stattfinden könnten.

Während in der beruflich-betrieblichen Aus- und Weiterbildung Lernen im Prozess der Arbeit als grundlegendes Prinzip zur Erreichung beruflicher Handlungskompetenzen anerkannt ist und umgesetzt wird, steht dieses Konzept im schulischen Lernen weniger im Zentrum pädagogischer Betrachtungen. Jedoch gerade für Schülerinnen und Schüler, die mit dem traditionellen Bildungssystem und den klassischen Inhalten des Fächerkanons ihre Schwierigkeiten haben und die allgemeinbildende Schule ohne Abschluss verlassen oder aufgrund mangelnder Ausbildungsreife ihre Erstausbildung abbrechen, können Konzepte der engeren Verzahnung von Arbeiten und Lernen eine wirksame Unterstützung darstellen.

Verschiedene Modellvorhaben haben bereits gezeigt, dass für diese Gruppen junger Menschen das Entwickeln einer Berufs- bzw. Ausbildungsreife über andere Formen des Lernens möglich und auch in schulische Abläufe integrierbar ist.

In den letzten Jahren gewinnt das Lernen in und über Arbeit in betrieblichen und schulischen Lernkonzepten zunehmend wieder an Bedeutung. Das Lernen im Prozess der Arbeit bezieht sich dabei sowohl unmittelbar auf Arbeitsprozesse und -inhalte als auch auf allgemeinere Arbeitsbezüge und Arbeitskontexte. „In der beruflichen Bildung ist das Lernen in der Arbeit ohnehin die älteste und am weitesten verbreitete Form beruflicher Qualifizierung, die (…) nicht nur zum Erwerb von Fertigkeiten und Kenntnissen führte, sondern – je nach Arbeitsumfeld und individuellen Dispositionen – Gewohnheiten, Einstellungen und Werte prägte (vgl. Dehnbostel et al. 2007, S. 9).

Dehnbostel (2007) führt dazu weiter aus, dass das Lernen in und über Arbeit zwar mit industriell und tayloristischen Arbeitsstrukturen an Bedeutung verlor, jedoch nun vor dem Hintergrund des Übergangs von der Industrie- zur Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft eine Renaissance erfährt. In berufsbildenden Schulen ist seit den 1990er Jahren über das didaktische Konzept der Handlungsorientierung und die Betonung der Zielsetzung zum Erwerb beruflicher Handlungskompetenz das arbeitsbezogene Lernen stärker in den Vordergrund gerückt.

Im Zentrum des pädagogischen Prozesses sollte frühzeitig das arbeitsplatznahe Lernen bzw. berufs­bezogene Lernen stehen. Für den Bereich der Benachteiligtenförderung und der nachholenden Grundbildung stellt dies im Besonderen eine wirksame Alternative zur tradionellen Schule und seminaristischen Maßnahmen dar. Statt Rezeptivität ist Aktivität gefragt, welche es durch entsprechende Methoden zu ermöglichen gilt. Konzepte wären demnach so auszugestalten, dass elementare Kenntnisse im Lesen, Schreiben, Rechnen nicht „an sich“, sondern im Zusammenhang mit möglichst praxisnahen Arbeitsaufgaben erlernt und vor allem geübt werden.

Ansprechpartner

Dr. habil. Hans Joachim Buggenhagen, Dr. Monika Schellenberg, Dipl. Psych. Pamela Buggenhagen


Literaturhinweise:

Buggenhagen, P. (2008): Berufsbezogene Grundbildung - Anforderung regionaler Wirtschaftsunternehmen. In: Grundbildung in Wirtschaft und Arbeit – mehrperspektivisch GiWA-Online Nr.2. Herausgeber: Rosemarie Klein. URL: http://bbb-dortmund.de/jobbb2/index.php?option=com_content&task=view&id=80&Itemid=83 (20.05.2009).

Buggenhagen, P.: Bedeutung von Lernen im Prozess der Arbeit für Einfacharbeitsplätze und eine berufsbezogene Grundbildung. In: Handbuch der Aus- und Weiterbildung; Loseblattwerke Deutscher Wirtschaftsdienst. geplante Veröffentlichung: August 2011. (ISBN 978-3-87156-033-0)

Dehnbostel, P., Lindemann H.J., Ludwig C. (2007): Lernen im Prozess der Arbeit in Schule und Betrieb, Waxmann Verlag, Münster.

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